Ein Tag als Kammerkaetzchen/Kammerdiener

Samstag 3.10Uhr

Das dezente, aber bestimmte Pieeeeeeeeeeeeeeeeeep meiner Waschmaschine erlöst mich. Müde schnibbel ich das letzte Möhrchen klein und stecke es zu den anderen in die Plastiktüte. Danach beginne ich zahlreiche Hemden, Blusen, Schürzen, Spitzenbodys, Socken und Unterhemden auf sämtliche Heizkörper, Stühle, Tische und sonstige Aufhängungsmöglichkeiten meiner kleinen Wohnung zu verteilen und schlurfe danach in mein Bett, das von meinem Freund schon mollig vorgewärmt wurde.

 

10.00Uhr

Ich bin noch müde, aber schon wach, als mein Wecker anfängt zu klingeln. Ich entscheide mich noch eine Runde zu snoozen und kuschel mich an den warmen Bauch von Stephan, der mich liebevoll in den Arm nimmt. Noch 4 Stunden und 10 Minuten bis zum Treffen

 

10.30Uhr

Aufstehen, Kaffee kochen, Toast. Schnell den Ofen vorgeheizt, ich bringe heute Pestobrot und Rohkost als Verpflegung mit, vorbereitet habe ich alles gestern nach dem letzten Auftritt, während die Waschmaschine lief. Claudia kümmert sich um Brötchen, Käse und Wurst und gibt damit ihren „Einstand“ bei uns Großen. Im Vorjahr tanzte sie schon bei der Jungend mit. Stephan muss noch ein paar Dinge besorgen und ich beginne schon mal damit, den nicht kleiner werden wollenden Berg Weißwäsche zu bügeln…

 

12.30Uhr

Langsam mache ich mir Gedanken, wo Stephan bleibt. Ich rufe an. Er ist schon auf dem Heimweg. An den Kassen war einfach zu viel los. Das Pestobrot ist abgekühlt und ich packe es zusammen mit den anderen Essenssachen in eine Tüte. Gerade erst zur Tür hereingekommen, bekommt Stephan das Bügeleisen überreicht. Denn ich muss mich jetzt Schminken. Nach dem Bügeln macht sich Stephan schnell etwas zu essen und trinkt einen halben Kaffee. Die Zeit ist knapp. Während ich noch meinen Pony frisiere, trägt Stephan schon mal unseren Kram ins Auto. Letzter Kostümcheck. Oh Schreck - mein Unterrock fehlt! Nochmal schnell in die Wohnung flitzen, was für ein Stress. Keiner von uns weiß genau warum? Vielleicht haben wir am Morgen einfach zu viel getrödelt, wie immer…

 

13.39Uhr

Endlich im Auto und genug Zeit, um zum Melaten zu fahren.

 

14.55Uhr

Ankunft Melaten - die meisten sind schon da. Auch einige vom Vorstand, allen voran unser Präsident, haben sich angekündigt, um uns heute zu begleiten.

Wir richten es uns im Bus ein, die Kleidersäcke kommen mit Saughaken an die Fenster, Jacken und Schals werden verstaut, Getränke werden in den Bus getragen. Auf zwei Sitzen, die mit Plastik abgedeckt sind, bauen wir das Essen auf.

 

14.10Uhr

Wir rollen! Präsident, Tanzgruppenleiter und Busfahrer sprechen ein paar Worte zur Begrüßung.

 

15.00 Uhr Rösrather Möbelzentrum, Auftritt Kammerkätzchen und Kammerdiener die Erste.

Wir ziehen uns im Bus um und rennen schnell vom Bus ins Möbelzentrum. Erste Frage: Wo sollen wir tanzen? Auf der freigeräumten Fläche, die eigentlich als Bühne geplant war, stören tiefhängende Lampen. Und wo überhaupt soll vorne sein, wenn die Zuschauer, größtenteils Kunden auf Samstag-Shoppingtour, von allen Seiten gucken können?

Wir marschieren mit dem heimischen Dreigestirn ein. Spontan entschließen wir uns, den ersten Tanz in die eine und den zweiten Tanz in die andere Richtung und so weiter zu tanzen, damit jeder einmal die optimale Sicht hat. So ein richtiges Auftrittsgefühl kommt irgendwie nicht auf. Sind doch recht wenig Leute da. Die Musik kommt sehr leise vom CD-Player, die Luft ist angenehm temperiert und gar nicht stickig, ganz anders als in den meisten Sitzungssälen.

3. Tanz Kasatschok. Das Abschlussbild unseres letzten regulären Tanzes bildet, genau wie das Anfangsbild unseres ersten Tanzes, die gedrehte Großeziehfigur, Markenzeichen der Kammerkätzchen. Der Rekord im Drehen wurde vom DEM Kathrinchenpaar schlecht hin, Inge und Heinz, aufgestellt, ganze 26-mal. Der Rekord der Kammerkätzchen 2012 lag bei 7 ½ mal im  Training und 7mal auf der Bühne. Drei Drehungen sind Standard, spätestens bei Nummer 4 zählt die gesamte Gruppe mit, von Drehung zu Drehung lauter. Als bei Nummer 5 das gesamte Möbelzentrum mitzählte, hatte uns der Ehrgeiz gepackt. Nummer 6 leichtes Rutschen links, ich schließe meine Hände noch fester um die Handgelenke der Mädels, die auch ihren Griff verstärken. Nummer sieben - wir stehen wie eine Wand, Nummer acht, neuer Rekord, es folgte Nummer neun, Kai, der, den man nie sieht, der mich aber festhält und sichert,  korrigiert mich leicht. Nummer zehn, es rutsch immer mehr und einen Absturz möchte ich nicht riskieren. Außerdem haben wir noch weitere Auftritt, es gilt Kräfte einzuteilen. Ich rufe „Stopp“. Stephan dreht aus Nummer 11. Noch einmal halten und bis zehn zählen, abbauen und wir alle grinsen übers ganze Gesicht. Ich könnte Platzen vor Freude! Unser Präsident spendiert uns das nächste Fässchen. Im Bus ist der Jubel groß. Die Pannemann-Weste geht von Nils an Sebi.

 

15.42Uhr

Abfahrt nach Solingen. Im Bus ist die Stimmung super, schnell etwas trinken und einen Happen essen. Die vergangenen Wochen haben ihren Tribut gefordert und eine verspannte Schulter fordert den ersten Einsatz unseres Masseurs Didi.

 

16.32

Ankunft in Solingen. Die Einwohner schauten nicht schlecht, als wir mit unseren riesigen Bus ankommen.

 

16.45Uhr

Kammerkätzchen die Zweite. Der Name "Senioren Sitzung"  wurde den meisten Zuschauern nicht gerecht, die zu 90% noch sehr fit und agil waren. Die Bühne ist recht schmal, dafür aber sehr tief und hat eine gute Höhe. Ich treffe Mareike bei der K*tz-Mühle mit dem Schuh am Ohr, mit unserem Gegenpaar machen wir eine dritte Reihe auf, um weiter Zusammenstöße zu vermeiden.

 

17.08Uhr

Wir müssen uns etwas beeilen. Mit strammen Schritten gehen wir zum Bus, es bleibt noch Zeit für eine schnelle Zigarette. Axel gibt Manöverkritik zu den vergangenen Auftritten und klärt organisatorisch Dinge wie die nächsten Auftritte, denn später werden noch unsere diesjährige Schnüsse Tring Liane Hess und der WDR zu uns stoßen. Ein umgeknickert Daumen sorgt für den zweiten Auftritt von Didi. Die Pannemann-Weste geht von Sebi an Micha

 

18.05Uhr

Vom Bus müssen wir einige hundert Meter bis zum Hintereingang laufen, wir bleiben bis kurz vor dem Auftritt in der Umkleide, da es unten im Foyer, das eher einer Kneipe gleicht, sehr eng ist.

 

18.35Uhr

Kammerkätzchen die Dritte. Die Bühne ist gut, die Stimmung super, lediglich das Geländer sorgt dafür, dass wir die Ziehfigur weiter hinten aufbauen müssen, da sonst die Hängemädels mit den Beinen dagegen stoßen könnten. Das heißt für uns, dass wir direkt nach dem Abbauen wieder nach vorne müssen, damit Platz ist für den Wurf…

Eigentlich sind drei Auftritt am Tag am Wochenende Standards. Aber so Schlag auf Schlag und mit kaum Zeit zum Essen wird es schon mal zur Kraftprobe. Mein Tanzpartner fängt an zu kämpfen, ich probiere noch mehr zu springen, um es ihm leichter zumachen.

Am Ende vom 2. Tanz verpasst es unser Tanzgruppenleiter fast auf die Bühne zukommen,  telefonierte er kurz vorher noch sehr hektisch. Ausmarsch nach dem 3. Tanz - im Mittelgang steht unser Gruppenleiter: winkt hektisch. Kaum aus dem Saal raus, rennen wir, keiner weiß warum, denn laut Plan haben wir eigentlich endlich etwas Luft. Im Bus dann die Aufklärung: bei der Colombinen Sitzung im Tanzbrunnen gab es eine Planänderung,  unser Austritt muss früher stattfinden. Um 19.30 sollen wir auf der Bühne stehen, laut Achim`s Navi werden wir um 19.35 am Tanzbrunnen sein.

Die Pannemann-Weste geht von Micha an Alex.

 

19.22Uhr

Kammerkätzchen die Vierte.

Achim hat mal wieder das Unmögliche möglich gemacht. Mit ein paar Minuten Luft kommen wir an und rennen durch die weißen Vorzelte in den Tanzbrunnen. Liane und der WDR warten schon auf uns. Beim 2. Tanz verlässt mich etwas die Kraft, mein Tanzpartner spricht mir gut zu und die Paare, die aus Platzgründen am Rand stehen, feuern uns an. Aus Zeitgründen nur 2 Tänze, die Colombinen freuen sich,  dass alles noch geklappt hat und wir ihnen so entgegen kommen konnten. Ich freue mich,  das es nur zwei Tänze waren, weil ich mir einen dritten Tanz nicht mehr zugetraut hätte. Nach dem Auftritt ein kurzes Interview für den WDR, der auch unseren Auftritt gefilmt hat. Abfahrt zur Köln Arena

 

20.16Uhr

Ankunft Köln Arena und zum ersten mal Luft… Wir können im Backstage etwas Suppe und Popcorn essen und schauen über den Monitor der Luftflotte zu. Spalier stehen für die Luftflotte, ein schöner Brauch unter Tanzgruppen, um sich gegenseitig Respekt für die Leistung zu zeigen und oft auch Möglichkeit zum Informationsaustausch.  So bekommen wir die Info, dass wohl hinten links die Bühne nicht ganz so in Ordnung sei.

Wieder in der Umkleide haben wir Zeit, die Beine hochzulegen, ein paar dösen auf den Boden. Didi kümmert sich um einen leicht geschwollenen Knöchel und um müde Muskeln.

 

21.30Uhr

Kammerkätzchen die Fünfte.

Brings hat die Arena zum kochen gebracht. Für uns ist es schon der 2. Abend in Folge in der Arena und so sind auch all die Frischlinge nicht mehr ganz so nervös. Wir tanzen unseren Jubiläumstanz mit Ende Kasatschok, das Ziel, die Ziehfigur am Ende noch mal 11mal zu drehen, verfehlen wir. Zum ersten Mal können wir in Ruhe zum Bus gehen.

 

22.05Uhr

Abfahrt zum letzten Auftritt nach Bonn-Duisburg. Wir ziehen uns in den Duschen der Mehrzweckhalle um, das Publikum ist gut drauf. Ein letztes Mal stellen, Stephan motiviert noch einmal alle. Letzter Auftritt - noch einmal alles geben.

Kammerkätzchen die Sechste. Wir hauen noch einmal alles raus was geht. Ohne Zugabe lässt uns das Publikum nicht von der Bühne. Kaum aus dem Saal, ruft der erste "Feierabend" und unser Präsident hat es sich nicht nehmen lassen, uns einen Kranz zu spendieren. Es gibt nichts Besseres, als ein leckeres Kölsch oder Kölsch Cola k nach so einem Tag. Auf der Heimfahrt nach Köln feiert Lara in ihren Geburtstag rein, die Arme hat derzeit eine Bindehautentzündung und tanzt fast blind. Wir essen die Reste vom Proviant. Die Pannemann-Weste geht von Alex an David. Am Parkplatz dann ein Bier oder selbstgemachten Baileys bevor wir ins Jan aufbrechen…

 

0.32Uhr

Ankunft im Jan.

Es dauert meist über eine halbe Stunde, bis man allen die man kennt Hallo gesagt hat, es ist voll und die Stimmung ist gut. Man tauscht sich über vergangene Auftritte aus, tanzt und lacht zusammen. Länger als auf eine Cola bleiben Stephan und ich jedoch nicht, wir sind beide müde und schließlich ist morgen um 12Uhr Abfahrt. Bis dahin muss das Weißzeug gewaschen und gebügelt sein. Außerdem habe ich mich zum Kaffee kochen gemeldet. Der erste Auftritt wird uns nach Holland führen, so haben wir wenigstens Zeit im Bus etwas Schlaf nach zu holen.

 

1.45Uhr

Endlich zuhause und es wiederholt sich das immer gleiche Ritual… Ich stopfe meine Wäsche in die Maschine, fülle Waschmittel ein, stell auf 30°C Pflegeleicht und springe schon mal unter die heiße Dusche. Stephan stopft sein Zeug rein und stellt die Maschine an.

Im Bett kribbeln meine Beine und ich brauche eine Weile bis ich wegdöse.

Das schrille pieeeeeeeeeeeeep meines Weckers reizt mich aus dem Schlaf, ich kletter müde aus dem Bett und schlurfe in die Küche, die Waschmaschine schleudert noch, noch 2 Minuten bis sie piept. Ich verteile die Hemden, Blusen, Schürzen, Spitzenbodys, Socken und Unterhemden in meiner Wohnung und schlurfe wieder ins Bett. Ein Blick auf die Uhr, es ist Sonntag 3.25Uhr,